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Skadi Engeln, Störbilder

Seit Skadi Engeln 2001 den Jakobsweg gewandert ist und dort intensive Naturerfahrungen gemacht hat, setzt sie sich mit dem Thema Landschaft auseinander.
Inzwischen ist dieses traditionelle Genre der Malerei zentrales Motiv ihres Gesamtwerkes geworden. Sie gibt jedoch nicht die gesehenen Landschaften naturgetreu wieder, sondern malt intensive Farbeindrücke aus einem Naturerleben heraus. Als ihre Inspirationsquelle beschreibt die Künstlerin die Wandlung der Natur, die sie besonders in ihren Übergängen erlebt: Dämmerungen, Sonnenlauf und Wetterumschwünge.
Das bewusste Erleben der Veränderungen in der Natur ist für sie ein kontemplativer Prozess und wichtige Vorbereitung auf das Malen ihrer Bilder. Mit Hilfe von Fotografien, die sie auf ihren Reisen macht, entwickelt sie dann im Atelier ihre Landschaften. Das Zusammenspiel von Abbild, Erinnerung und eigentlichem Malprozess beschreibt Skadi Engeln als wichtige Wechselwirkung für die Entstehung ihrer Werke.


Die nach Fukushima entstanden Störbilder zeigen einen neuen Umgang der Künstlerin mit dem Sujet Landschaft: Scharfe Linien und feine senkrechte Streifenbänder stören die farbenprächtigen Panoramen und den romantischen Blick auf die Natur. Die ohnehin an die Grenze zur Gegenstandslosigkeit geführten Landschaften erhalten durch diese abstrakten Elemente eine weitere Bedeutungsebene und eröffnen eine neue Welt der Assoziationen. So erinnern sie vage an unsere hochtechnisierte Welt mit ihren Strommasten, Schornsteinen, Antennen und vielfachen Strahlungen.
Die vertikalen Eingriffe in die Bildlandschaften realisiert Skadi Engeln sehr vielfältig. Mal entwickelt sie diese aus der Farbpalette des Bildes, mal mit Hilfe der Komplementärfarben, durch die ein starker Kontrast entsteht. Besonders zart wirken jene Bilder, in denen sie Farbe vom Bildgrund wieder wegnimmt und die Landschaft wie durch einen Schleier hindurchscheinen lässt. Durch die abstrakten „Störlemente“ entstehen Kontraste, die die harmonischen Farblandschaften brechen, auffächern und ihnen etwas Geheimnisvolles, Fragendes verleihen.


Fukushima hat die Welt erschüttert – und die Künstlerin veranlasst, ihren Blick auf die Natur neu zu definieren. Trotzdem verzichtet Skadi Engeln konsequent darauf, in ihren Bildern anzuklagen, zu verurteilen oder düster zu werden. Sie malt die Natur in ihrer Schönheit. Und sie malt die Natur in ihrer Schönheit gestört. Sie eröffnet damit dem Betrachter auf eine subtile Art und Weise einen realen und aktuellen Blick auf die Natur im 21. Jahrhundert.

Julia Fischer, Kunsthistorikerin (M.A.)