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durchwebtes Land

Skadi Engeln / Malerei und Druckgrafik

24.04.16-05.06.16, Zionskirche Berlin

Eröffnungsrede am 24.4.16, Pfarrerin Eva-Maria Menard

 

Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen seinen Ruhm; 

/ der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum. 

/ jedoch weil ich gehöre / gen Zion in sein Zelt, 

/ ists billig, dass ich mehre / sein Lob vor aller Welt. 


Ein altes Kirchenlied ist das. Die Worte stammen von von Paul Gerhard, die Melodie von Johann Georg Ebeling. Beide lebten im 17. Jahrhundert. Ferne und finstere Zeiten waren das damals. Und doch stimmten die beiden ein Loblied an, ein Loblied zwischen Himmel und Erde, und all dem was dazwischen ist. Und “ich“ mitten drin als mehr oder minder welke Blum.

Dieses Lied fällt mir zu den Sonnenblumen von Skadi Engeln ein. Welke Blum. Sie sind nicht welk, aber sie tragen Spuren des Vergänglichen. Sie lassen durchscheinen, sind durchsichtig. Sie tragen in sich die Schönheit und die Verletzlichkeit des Lebens. Wie Menschen stehen sie da vor dem Horizont einer Landschaft, vor dem Horizont ihres Lebens. Stehen aufrecht oder neigen ihre Häupter, wenden sich einander zu und voneinander ab.

Auf den Bildern von Skadi Engeln ist vieles zu entdecken, vieles zu ersehen zwischen Himmel und Erde, von oben und von unten und dazwischen, bis zum Horizont und weiter. 

Auf den ersten Blick: fröhliche Farben, beruhigende Landschaften - so sagte mir gestern einer, in dessen Wohnung - seit 2011, Skadi Engelns ersten Ausstellung hier in der Zionskirche-  zwei Bilder von ihr  hängen. Aber dann ist da noch was, etwas, was die Ruhe stört, die vermeintliche Beschaulichkeit irritiert. Es ist gut, dass sie da ist, diese Irritation, diese Beunruhigung. 

Skadi Engeln hat ihre Bilder nach Fukushima „Störbilder“ genannt. Ein leichter Schleier, fast unsichtbar, legte sich über ihre Bilder und ließ fragen, fragen nach dem Dahinter des vordergründig Fröhlichen und Beruhigenden. Nun eine leichte Änderung: „durchwebtes Land“, durchwebte Bilder, Bilder, welche die Spuren von Menschen tragen. Die Webfäden nun vertikal und horizontal, ambivalente Spuren.

Sie zeigen mir, machen mir bewusst: in alle Landschaften hat sich der Mensch eingebracht, alle Naturlandschaften sind zugleich auch Kulturlandschaften, gewirkt und  geprägt vom menschlichen  Gestaltungswillen, durchzogen vom roten Faden menschlichen Wirkens. 

Manchmal harmonisch: Ich war gerade im Oderbruch, eine Landschaft, die erst durch massives Eingreifen des Menschen entstand. Dort grasen heute Schafe und Kühe  auf saftigen Wiesen neben blühenden Rapsfeldern und alles wirkt natürlich und hat es doch so vor 300 Jahren noch nicht gegeben.  Ja manchmal harmonisch, manchmal fragwürdig, manchmal unheimlich, manchmal bedrohlich ist dieser rote Faden menschlichen Wirkens.

Wir zeigen die Bilder von Skadi Engeln im Kontext 30 Jahre Tschernobyl, 5 Jahre nach Fukushima. Im diesem  Kontext versinnbildlicht für mich diese Ausstellung die Verantwortung, die wir in unserem Gestaltungswillen tragen: Verantwortung für die Schönheit, Verantwortung für die Folgen unserer Gestaltung, unseres Eingreifens. 

In der Bibel steht:

Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild.
Als Gottes Ebenbild schuf er sie.
Er schuf sie als Mann und Frau.
Gott segnete sie und sprach zu ihnen:
»Seid fruchtbar und vermehrt euch!
Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz!
Herrscht über die Tiere im Meer und in der Luft!
Bestimmt über das Vieh und alles Getier am Boden!

Die Fähigkeit und die Möglichkeit des Menschen ist keine Selbstermächtigung, sondern Gabe Gottes und Aufgabe, die uns mahnt zu erhalten und zu pflegen, nicht zu zerstören.

„Durchwebtes Land“- Skadi Engeln hat einen großen Teil der Bilder extra für die Zionskirche gemalt. Große Bilder für diesen großen Raum, der sie aufnimmt mit ihrer Schönheit mit ihrer Irritation wie ein bergendes Zelt.  Aller Erfolg und alle Schuld, die der Mensch durch sein Eingreifen auf sich lud, haben hier einen Raum. Im Singen, im Beten, im Bilder malen, im Bilder Schauen. 

Schön, liebe Skadi Engeln, dass sie diesen Raum entdeckt haben, für sich, für ihre Bilder und damit für uns. Vielen Dank.